Lebwohl J. N.
Bis heute habe ich nie jemandem „die Freundschaft gekündigt“ …. ich mag diesen Ausdruck auch nicht besonders, denn er klingt so, als ob eine Freundschaft etwas wäre, dass man einfach so abschalten könnte wie einen Fernseher. Fpr mich selber ist eine Freundschaft viel mehr eine Beschreibung, eine Eigenschaft, ein Prozess, der fortlaufend ist, aber nicht einfach so beendet werden kann. Ausser es trifft eine unglaublich schwere Enttäuschung ein, oder etwas ähnlich schwerwiegendes. Selbst dann ist eine Freundschaft für mich nicht beendet, vielmehr versuche ich dann das ganze wieder zu kitten. Allerdings war diesmal alles vergeblich….Auch wenn uns fast ganz Deutschland voneinander getrennt hatte, haben wir vieles zusammen durchgemacht. Auf der Ebene der Freundschaft, der Beziehung und der tiefsten Vertrautheit zu der ich fähig bin. Die Beziehung scheiterte an verschiedenen Stolpersteinen. Nicht zuletzt ein paar meiner tief verwurzelten Eigenschaften gaben der Beziehung den Endgütligen Gnadenschuss.
Um von einander los zu kommen kam es zu einer gewollten Funkstille zwischen uns, in deren Zeit es auf beiden Seiten viele Entwicklungen gab. Die Zeit läuft nun einmal weiter. Dann… der Kontakt war wieder da… und vieles von der alten Vertrautheit und Bindung auch.
Sie flog in die USA… auf „Schnupperbesuch“… eine andre Person war in ihr Leben getreten. Etwas mit dem ich erst klarkommen musste, aber was ich auf jeden Fall gut fand.
Dann … schweigen.. Wochenlang kein Lebenszeichen.. und das nachdem der Kontakt ja erst wieder aufgelebt war. Aber auch kein Wort davon, dass sie keinen Kontakt wollte… dass es ihr zuviel wäre, oder sie schlicht und ergreifend einfach nichts von mir wissen wollte….
Ein Lichtblick! Sie redet doch mit mir… alles scheint wunderbar zu laufen auf der andren Seite des grossen Teiches… Die Enthüllung: Sie würde heiraten um in den USA bleiben zu können…. schwerer Stich in mein Herz… ich merke, dass ich immer noch nicht wirklich los gelassen habe… dass mir dieser spezielle „Abschluss“ fehlt…. ich bitte sie darum, sie besuchen zu dürfen, wenn sie Anfang Januar wieder in Berlin ist. Sie stimmt zu… sogar freudig wie es den Anschein hatte… Ich schrieb noch eine Email, da ich das was in mir vorgeht noch in Worte fassen möchte
Schweigen… keine Antwort… keine Reaktion… es wirkt wie.. Gleichgültigkeit…. Sie scheint alle Brücken hinter sich abzubrechen und zumindest mit dem Teil der Vergangenheit in dem ich eine Rolle spielte nichts mehr zu tun haben zu wollen… wenn sie es wenigstens sagen würde!!!
Sie hat sich entschieden in den USA leben zu wollen… am besten so schnell wie möglich. Will einen Neuanfang machen… was ich verstehen kann. Aber wenigstens so ehrlich sein und sagen, dass man mit allem was war komplett Abschliessen möchte… das gehört da mit dazu.. sonst ist es kein Neuanfang, sondern Flucht.
Gestern… sie war online, ich war online… ich habe ihr noch einmal geschrieben und lebewohl gesagt.
Ich kündige keine Freundschaft…. aber sie hat mich verloren. Seit sie weg ist, verkörpert sie ein worteverschlingendes Schwarzes Loch.. aus dem nichts wieder herausdringt und das nicht antwortet.
Eine Freundschaft, die nur noch auf einer Seite existiert und da nur noch in Gedanken… die kann ich nicht kündigen… denn sie ist gestorben… getötet worden. Daran weiter fest zu halten würde mich am Ende nur mit in diesen Abgrund reissen und das würde ich nicht überstehen.
Lebwohl J. N.
Du hast ein neues Leben begonnen und dein altes wie eine Haut abgeworfen.
Versuche zumindest das, was gewesen ist nicht zu vergessen und daraus zu lernen.
Ich wünsche dir alles gute für die Zukunft und für dein Leben…

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