Nachdenkliches zwischen den Feiertagen
Das Wort „zwischen“ in der Überschrift ist schon fast Ironie pur. Denn genau darum geht es… um das „Dazwischen sein“; auf der Grenze, weder das Eine, noch das Andre und doch Beides zugleich.Ich sage gerne von mir selbst, dass ich „zwischen den Grenzen“ lebe… Das klingt an sich toll, irgendwie stark und selbstbewusst. Aber es bedeutet vor allen Dingen auch eine ewige Gratwanderung…. und wenn man nicht wie ich die Position „zwischen den Grenzen“ als das Zuhause definiert, würde man nirgendwo hingehören, wäre man ohne einen Platz im Leben.
Aber auch dieser, doch recht besondere, Platz ist kein einfacher. Was bin ich alles?
- Stehe zwischen Mann und Frau, bin eine Transsexuelle Frau, eine Shemale wenn man so will. Das ist der „Platz“ der für mich passt, an dem ich mich wohl fühle
- Ich bin „bi“, oder genauer pansexuell… das Geschlecht spielt für mich nur eine Untergeordnete Rolle; der Mensch, die Person ist es, was zählt
- Stolz und auch stark und gleichzeitig von Ängsten erfüllt und mit einem Selbstbewusstsein mit einem massiven Wackelkontakt
- Will Menschen führen, aber will keine Verantwortung
- Ich bin Switch… mit drei(!) Seiten: Sub, Normal, Dom und alle drei wechseln lustig ineinander, je nachdem wem ich gegenüber stehe.
Dann ist da noch ein letzter Punkt… und vielleicht der wichtigste… und derjenige, der mich gefangen hält und mich wohl niemals los lassen wird. Gerade jetzt, um die Feiertage und kurz vor dem Beginn eines neuen Jahres beschäftigt es mich immer wieder aufs neue.
Auch meine Gefühle anderen gegenüber „tanzen auf den Grenzen“. Wo andere nur einer einzelnen Person ihre ganze Liebe schenken, mache ich das selbe mit mehr als nur einem geliebten Menschen. Die Liebe wird nicht weniger, wenn sie auf mehr als eine Person fällt…. im Gegenteil sie wird sogar mehr. Sie ist kein Kuchen, den man aufteilt… jeder bekommt alles und niemand weniger.
Und dennoch…. bin ich nicht glücklich. Harmonie gibt es immer nur in der Zweisamkeit… immer nur dann wenn ich nur Eine und mich betrachte. Sobald mehr als zwei ins Blickfeld rücken gibt es Spannungen die mich zu zerreissen drohen. Ich bin mit jedem dieser Menschen glücklich…. und ich könnte keinen von ihnen „loslassen“, es würde ein Teil von mir mit verschwinden, sterben und verblassen.
Ich kann es nicht ändern… selbst wenn ich es wollte.. mit aller Gewalt versuchen würde meine emotionalen, meine Liebesbeziehungen rein monogam zu halten, ich würde mich dennoch wieder und wieder verlieben. Wieder einer weiteren Person mein Herz schenken. Es mag lange dauern bis es wieder geschieht, aber es würde mit Sicherheit wieder geschehen. Also ist das ganz sicher kein Ausweg für mich.
Wie mag es sich wohl anfühlen, wenn da nur EIN Mensch ist… nur ein Mensch, dem man sein ganzes Herz schenkt. Mit dem sicheren Wissen, dass dieser eine Mensch derjenige ist, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will und die absolute Gewissheit hat, dass da niemals ein andrer Mensch mit dazu kommen wird? Sich nicht immer wieder Gedanken machen muss, ob man jemanden zutiefst verletzt wenn sich herausstellt, dass man noch jemand andrem diese ganze Welt der Gefühle, Leidenschaft und Vertrauen entgegenbringt?
Ich bin gefangen in der Art wie ich bin… kann nicht aus. Ich bin nicht traurig deswegen, aber manchmal wünschte ich mir einfach nur frei zu sein.

Mit dem sicheren Wissen, dass dieser eine Mensch derjenige ist, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will und die absolute Gewissheit hat, dass da niemals ein andrer Mensch mit dazu kommen wird?
Woher soll diese Gewissheit kommen?
Ich denke dieses Gefühl wirklich gehabt zu haben können allenfalls eine Handvoll Menschen überhaupt behaupten.
Alle anderen haben Beziehungen begonnen, und sie wieder verloren.
Und wieder war es nichts mit der Gewissheit, dass da niemand anderes jemals kommen würde.
Ich fürchte diese Frage wird unbeantwortet bleiben (müssen)
Sowohl für dich wie auch für mich.
Und für die meisten anderen da draussen auch…